Kapitel 5 Großstadtwahrheit.

Juni 2013
Wildes Gehupe… Leute rennen durch die Straßen… Kaffeegeruch steigt mir in die Nase. Ein bärtiger Mann ruft mir, noch etwas verschlafen, zu „Ey kann ick dir helfen? Taxi junge Lady?“ Erschrocken schaute ich ihn an, lächelte und begrüßte meine Freundin, die neben ihm stand und laut lachte.
Ein kleiner Trip nach Big Berlin tut mir nach der Trennung gerade gut. Dachte ich mir.
Dort habe ich eine Freundin besucht, wir wollten Spaß haben, die Nacht zum Tage machen und das Leben genießen. Bei ihr angekommen gab es erst mal einen kleinen Prosecco auf das Wochenende. Abends sind dann ein paar Mädels vorbeigekommen mit denen wir quatschten und Beautykram machten. Das tat gut. Lange habe ich nicht mehr so wenig an meinen Ex gedacht. Samstagabend ging es weiter.
„Wegmische haste Hase?“ „Na klar komm jetzt.“
Wir waren auf dem Weg in einen Berliner Club, nicht zu schick aber auch nicht Underground total. Wir tanzten ausgelassen und flirteten so viel, dass es einem eigentlich schon unangenehm sein müsste, aber warum? Es fühlte sich so gut an, ich hatte das Gefühl endlich wieder im Leben angekommen zu sein. Ich war Glücklich.
Gerade als wir gehen wollten, kam Carlo zu mir und tanzte und sprach mich an. Endlich! Seit Stunden haben wir uns durch den ganzen Club beobachtet und geflirtet.
Das Tanzen fühlte sich so gut an, als ob wir uns schon länger kennen würden.
Die Mädels wollten dann aber gehen und so musste ich los. Wir tauschten noch schnell die Nummer und draußen vor dem Club las ich „Bambi Baby schlaf gut und tanz nicht so viel.“ Mein Herz schlug schneller und ich musste lächeln.
Wir haben den ganzen Heimweg geschrieben und danach die 14 Tage jeden Tag von morgens bis tief in die Nacht. Die Gespräche waren toll. Normal und Flirty. Wir haben uns alles gesagt über alles gesprochen.
Ein paar Tage später war es soweit ich fuhr wieder nach Berlin auf Wolke 7.
Gedanken verloren und voller Vorfreude und Angst, da ich bei einem eigentlich Fremden das ganze Wochenende verbringe.
Carlo holte mich am Bahnhof ab… eine Umarmung das Parfum seine strahlenden Augen, in dem Moment waren die Angst und Sorgen, wie das Wochenende werden würde, weg.
In der WG angekommen, haben wir es uns erst einmal gemütlichen gemacht auf seinem Balkon. Old School 90er Musik ertönte aus den Boxen und die Sonne ging langsam unter; ein schöner Berliner Abend. Hin und wieder donnerte die Bahn vorbei aber das machte es irgendwie perfekt, dass es nicht perfekt war. In seinen Armen fühlte ich mich wohl wir redeten viel und irgendwann küssten wir uns. Seine Lippen auf meinen so vorsichtig und schön. Das passte dachte ich mir. Als wir dann ins Bett gingen wollte er natürlich auch mehr, aber das fühlte sich komisch an. Ich merkte wie unentspannt ich wurde, und dass ich plötzlich nicht mehr bei der Sache war… bei ihm, sondern darüber nachdachte, warum er das jetzt wollte, ob ich sagen sollte, dass ich das nicht will, oder ob das genau so geplant war, und nicht das wir uns kennenlernen. 1000 Gedanken.
Er merkte das und hörte plötzlich auf mich zu küssen. „Was ist los? Du bist plötzlich ganz weit weg, das merk ich doch.“
„Es ist komisch wir kennen uns doch gar nicht, ich kann das so irgendwie nicht.“
Damit war es dann auch für heute Abend.
Der nächste Tag war traumhaft, perfektes Wetter für eine Erkundungstour durch Berlin.
Carlo zeigte mir typische Sehenswürdigkeiten aber auch kleine Cafés und Geschäfte, die ich so nicht entdeckt hätte. Was weg war, war die Vertrautheit. Versteht mich nicht falsch, Carlo war toll, aber irgendwas fehlte. Er nahm nie meine Hand oder suchte Nähe zu mir, das fühlte sich komisch an und machte mich schon etwas traurig. Abends haben wir dann wieder einen Gemütlichen gemacht, wir wollten uns ja kennenlernen und Zeit miteinander verbringen. So haben wir Sushi bestellt und einen Film geschaut. Auch da passierte nichts. Langsam war ich auch etwas froh, dass es am nächsten Tag heim ging.
Als wir dann ins Bett gingen, nahm er mich in den Arm küsste mich und es passierte das, was den Abend vorher passierte, er versuchte wieder das „mehr als nur küssen läuft“.
Das war für mich noch absurder da ich ja den Tag über das Gefühl hatte, dass er null Interesse hat. Ist auch egal, da ich das so nicht wollte, was ich ihm auch zu verstehen gab.
Er tat verständnisvoll und wir schliefen ein.

Als ich wieder zu Hause war, trat das ein was meistens passiert.
Der Kontakt wurde weniger und weniger, er Ghosted. Ich versuchte diesmal rauszufinden, woran es lag und seine Antwort war so ehrlich, wenn auch verletzend, trotzdem danke ich ihm heute noch dafür. Seine Antwort auf die Frage „Warum haben wir plötzlich weniger Kontakt, und sehen wir uns wieder?“
„Du ganz ehrlich das Wochenende war schön und du bist wirklich ein liebes, nettes, bildhübsches Mädchen aber ich habe dich nie als potentielle Freundin gesehen. Daher macht das kein Sinn das wir uns wiedersehen.“

Das war hart aber ehrlich und natürlich tat das die ersten Tage weh, aber man kommt auch über so eine Abfuhr hinweg. Mit guten Freunden die einem mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Was macht ihr in solchen Situationen, kennt ihr das?

Schreibt mir und kommentiert, ich bin gespannt.

Eure Leany

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