Kapitel 10 Hoppel di hop, Kaninchendisco.

August 2015
Sommer, Sonne und ein totaler Fehlkauf im Matratzenladen.
17 Uhr, los geht es, hoppel di hop zur Kaninchendisco auf der Tonhallenterasse bei bestem Wetter. Wir trafen uns davor, wir waren noch nie bei dieser Party, aber es schien locker zu sein, das gefiel mir. Bier gekauft und erst einmal eine kleine Runde drehen. Klein aber echt entspannt alles. Wir tanzen etwas zu den elektronischen Beats die aus den Boxen summten. 2 Bier später sassen wir auf den Treppen in mitten der anderen Feierleuten und quatschten. Dann kam Kim zu uns, er fragte, ob wir zufällig Gras dabei hätten.
Ich musste lachen, die ganze Tonhalle roch nach Gras aber klar wir sollten welches haben. Meine Freundin und er kamen trotzdem ins Gespräch. Nach kurzer Zeit kamen dann seine 2 Freunde auch dazu. Ich unterhielt mich mit Marco. Cooler Typ, mega entspannt, gerade sein Job gekündigt und lebt sein Leben jetzt erst mal. Wir lachten viel und quatschten Blödsinn.

Sonnenuntergang… etwas das man manchmal gar nicht zu würdigen weiß, aber dieser war wunderschön.

Meine Freundin hatte sich aus dem Gequatsche von Kim befreit und wir überlegten, ob wir noch woanders hin gehen sollten. Ich liebe diese Abende an den man sich nicht festlegt – sich treiben lassen, sehen was passiert. So ein Abend war dieser.

„Hey, gib mal kurz dein Handy, ich möchte dir was bei Facebook zeigen.“
„Ok hier.“ Gutgläubig wie ich immer bin. „Hast du mir gerade eine Freundesanfrage geschickt?“
„Vielleicht.“?
„Naja, ich kann mir ja immer noch überlegen, ob ich sie annehme.“

22 Uhr… Musik aus … Licht an… also fast. Die Party ist vorbei. Wir schließen uns den 3 Jungs an und fahren mit ihnen Richtung Altstadt. Laufen durch den Park und blödeln rum. Machen faxen wie Teenies nur mit mehr Bier und dem Bewusstsein das ein Morgen nicht mit einer Prädigt der Mutter endet, sondern vielleicht mit dem Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Er ist süß, ein richtiger Kerl, größer als ich, was nicht schwer ist, da ich recht klein bin. Humor hat er, redet genauso viel Blödsinn wie ich und flirtet ein wenig mit mir….denke ich…hoffe ich. Auf der Ratinger angekommen, tranken wir dort erst einmal ein Bier. Kim versuchte bei meiner Freundin wieder zu landen, wobei er das mit einer Aktion bei mir echt verbockt hat. Er sprach nämlich den ganzen Abend davon, dass er ja so jung aussähe und war mächtig stolz darauf. Was ja an sich kein Problem ist, jedoch irgendwann geht einem das „schätze mal wie alt ich bin“ Gelaber auf den Sack. So habe ich ihn irgendwann gefragt, was er meint, wie alt ich wäre. „So 24 vielleicht. Und wie alt bist du?“ „Ich bin 30 Jahre alt. Wie du siehst bist du nicht der einzige der jünger aussieht und trotzdem versuch ich nicht ständig mein Ego und mein Selbstbewusstsein dadurch zu stärken, in dem ich immer wieder Leute frag, wie alt sie sind!“ „Krass du schaust gar nicht so aus, du siehst auch so jung aus wie ich. Leany ich hatte dich bis gerade gar nicht auf dem Schirm, aber das ändert alles.“
„Äh nee, tut es nicht.“ Damit hat es sich Kim echt verscherzt – zu Recht! Erst an meiner Freundin rum baggern und dann an mir.
Irgendwann gingen wir in die Mauer, ein kleiner Club dort tanzten wir und tranken fröhlich weiter. Draußen war es schon hell und wir krochen völlig fertig aus dem Club. Meine Freundin, Marco und ich waren die einzigen die noch übrigen geblieben sind oder wir haben die anderen übersehen. Die beiden mussten eigentlich in die gleiche Richtung. Eigentlich ist hier das richtige Wort. Marco entschied sich dann mit mir noch eine Pizza essen zu gehen.

Gentleman: Substantiv [der] ˈʤɛntlm nə / ein gebildeter Mann, der sich durch Charakter und Anstand auszeichnet. Das ist er aufjedenfall.

Mir war kalt daher bot er mir seinen Ultra, super, Hammer Pullover an. Wie in eine Wolke eingepackt, schlenderten wir zu mir, da er mich nicht alleine nach hause gehen lassen wollte, mit einer Pizza bewaffnet. Vor meiner Tür verabschiedeten wir uns und ich wollte ihm seinen Pullover wieder geben.
“Nein, behalt ihn, so sehen wir uns aufjedenfall wieder.“ Marco wusste, wie er es geschickt schaffte, mich um ein weiteres Date zu bitten. Ein paar Tage später war es dann soweit. Marco und ich haben uns zum Kochen verabredet.
Mädels, ich wusste bis dahin nicht, dass “lass doch mal zusammen kochen” ein Pseudonym für “Typ ich will mit dir Sex haben” ist. Ich dachte das trifft nur auf den berühmten DVD Abend zu.

Nun ja, nichts ahnend haben wir uns dann zum Kochen verabredet. Gentlemanlike hat er mich nach der Arbeit abgeholt und wir haben Eventshopping im Edeka Zurheide gemacht. Was ein toller Laden, überall kleine Essenstheken und eine krasse Auswahl an Lebensmitteln. Wir, also wie ein junges Teenie paar, einen Einkaufswagen geschnappt und los geflitzt. Fleisch, Karotten, Spinat und ein kleines Eis zum Nachtisch. Wein, ganz wichtig, Wein nicht vergessen.

20:30 Uhr, Magen knurrt wie blöd.
“Hier, Prost. Zum Kochen braucht man schon mal ein Glas Wein.”
“Ok, ich mach das Gemüse, du das Fleisch.”
Vorab, wir haben danach nie wieder zusammen gekocht.
Das Essen war ok, kein 5 Sterne Essen, aber lecker. Wir quatschten, wir sahen uns an. Redeten über alles mögliche, Vergangenheit und Zukunft. Seine Zukunft sah so aus, dass er in einem Monat für 3 Monate nach Amerika geht. Spielten uns unsere Lieblingssongs vor und stellten immer mehr fest wie ähnlich wir uns waren. Sassen draußen, wenn ich rauchen wollte, berührten uns zufällig auf der kleinen Treppe von der Terrasse.
“Sie kommt zum Kochen vorbei? Schatzi die will mit dir in die Kiste!”
Das war der Moment der Wahrheit. Ich lachte laut, denn das hatte ich vorher noch nie gehört. Er hat es mit Humor genommen.
“Ich habe extra das Bett gemacht.” er schmunzelte, wischte mir eine Haarsträhne aus dem Geicht und machte den so passenden move dazu und küsste mich. Auf der Couch liegend, küssend fühlte ich mich wirklich sehr wohl bei ihm.

4 Uhr in der früh brachte er mich nach Hause. Den Frisch gewaschenen Pullover durfte ich direkt wieder anziehen. Ich lief auf Mauern lang, er nahm meine Hand und blödelte mit mir rum. Nahm mich in den Arm und küsste mich. Ein Weg von 15 Minuten darf an solch einem Abend auch dann mal 40 Minuten dauern.

Vor meiner Tür verabschiedeten wir uns. Viel Zeit bis zum nächsten Treffen verging nicht, wir haben uns noch ein paar mal getroffen, jede freie Minute miteinander geteilt, aber um ehrlich zu sein, es war einfach nicht unsere Zeit. Als er nach America ging war das Bunny wieder allein. Ich bin trotzdem froh und bereue nicht eine Sekunde davon. Und habe dafür einen wundervollen neuen Freund in meinem Leben.

Eure Leany

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